Polentour 2014 🇵🇱 🇨🇿

Eine Reise – anders als erwartet

…mit dem Motorrad durch die deutsch-polnische Geschichte

Alles fing mit einer Idee an…

Die Idee war, bedingt durch die Geschichte meiner Familie, einzutauchen in das Kapitel von zurückgelassenen Erinnerungen, Flucht aus Pommern 1945 und Neuanfang als sog. Vertriebene in Süddeutschland.

Kurz und gut, ich wollte wissen wo die Wurzeln meiner Mutter zu suchen sind. Viel hatte sie mir davon erzählt. Von der Zeit als junges Mädchen, das Leben auf einem pommerschen Hof mit all seinen Eindrücken, Entbehrungen und Geschichten die das Leben dort so schrieb.

Ich war neugierig auf dieses Land, dass den Sozialismus hinter sich lies und sich nun anschickte, nach demokratischen und westlichen Vorstellungen zu leben. Nicht zu vergessen, wie schmerz- und wechselvoll die polnische Geschichte selbst doch war.

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Also, nochmal der Reihe nach… Ich war also ab dem 22.05. auf der Straße. Die Wettervorhersage versprach erst einmal wechselhafte Temperaturen und etwas Regen in den nächsten Tagen.

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22.05.2014
München – Hamburg

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Aber was soll’s, ist halt so auf’m Motorrad. Zuerst ging es also mal auf direktem Weg nach München an den Ostbahnhof – Verladebahnhof für die Reise auf dem Zug nach Hamburg-Altona. Flugs angekommen hieß es erst einmal den Check-In abzuwarten. Das Moped war dann aber auch recht fix mit eingezogenem Kopf auf den Transportwagon gefahren und durch die emsigen Verladekräfte festgezurrt – es konnte also losgehen in die nächtliche Fahrt über das bundesdeutsche Schienennetz!

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Nachdem mich der Zug am nächsten Morgen in Hamburg wieder ausgespuckt hatte – Hamburg empfing mich typischerweise mit Sprühregen, machte ich mich also auf den Weg zur zweiten Etappe… reichlich genervt. Die Mitreisenden im Abteil hatten akustisch einiges zu bieten.

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23.05.2014
Hamburg – Potsdam
Als ich das sprühregengeplagte Hamburg in Richtung Osten über die Elbbrücken verlassen hatte, empfing mich an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern nochmal ne kleine Dusche. Kein Problem, ich musste noch nicht mal die Regenkombi anziehen.
Und dann wurde es genial… Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sind auch zum Motorradfahren ne tolle Adresse. Alleenland! Wenn ich da so an unseren Teil der Alleenstraße denke…Leute, schraubt die Schilder wieder ab.
Nahezu jede Baumart wird dafür verwendet. Kastanien, Robinien, Eichen, Buchen, Birken…
Mir war nicht klar, das sooo viele Robinien dort oben wachsen. In voller Blüte und mit einem intensiven Duft wird man quasi von ihnen angezogen, toll. Die längste durchgehende Allee war tatsächlich 17 km lang! Mediterrane Düfte haben da auch nicht mehr Qualität.

Nach nem Zwischenstopp bei Herrn Ribbeck auf Ribbeck im Havelland… jeder kennt das Gedicht von Theodor Fontane…

…bin ich dann bei bestem Wetter in Potsdam im Hotel angekommen. Traumhaft gelegen, direkt neben dem Filmpark Babelsberg.

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24.05.2014
Potsdam & Berlin
An diesem Tag hab ich es mir nicht nehmen lassen, die Hauptstadt zu besuchen.
War ein toller Tag mit jeder Menge Sightseeing, Kultur und Unterhaltung.


So konnte es weiter gehen…

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25.05.2014
Potsdam – Stettin
Bei immer besser werdendem Wetter beschloss ich noch der jüngeren und jüngsten Geschichte einen Abstecher zu machen.
Über die Glienicker Brücke – Schauplatz von Agentenaustausch während des Kalten Krieges besuchte ich noch einen Schauplatz des dunkelsten deutschen Kapitels, das Haus der Wannseekonferenz.

In dieser pittoresken Villa am malerischen Wannsee wurde, quasi zwischen Mittagessen und Nachmittagskaffee die „Endlösung“ der Judenfrage besprochen, protokolliert und abgeheftet.
Länger hat’s nicht gedauert…
Was die wenigsten wissen, auch ein Oberschwabe war einer der Konferenzteilnehmer und somit auch ein führender Schreibtischtäter – Josef Bühler aus Bad Waldsee.

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Aber genug des Schreckens, ich fuhr also weiter durch Brandenburg in Richtung polnische Grenze.
Traumhaftes, warmes Wetter, allerdings auch internationale Luftfahrtmesse in Berlin-Schöneberg. Das hieß also Umleitungen, Sonntagsausflügler und viel Verkehr.
Ales ich den hinter mir gelassen hatte, ging’s dann schließlich durch herrliches Wald- und Wiesengebiet über die Oder nach Polen.

Die Landschaft öffnete sich… und es war nicht mehr weit bis Stettin!

Angekommen in Stettin, das Hotel unmittelbar neben der Hakenterasse, mischte ich mich unters Volk und genoss den Abend auf der dortigen Freitreppe.

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26.05.2014
Stettin – Stolpmünde
Den nächsten Tag begann ich schon recht früh im Sattel, waren doch gut Kilometer zu machen und ich wollte, wenn ich denn schon gleich der Ostsee so nahe komme noch einen Abstecher an nen Strand einplanen.
Gesagt getan, mittags war ich dann an der Ostsee. Gleich der erste Strandübergang war ein Volltreffer und so konnte ich meinen Proviant im Sand genießen.

Es waren noch etliche Kilometer bis Stolpmünde, das ist ca. der halbe Weg zwischen Kolberg und Danzig. Nachmittags war ich schließlich dann dort. Ein kleines nettes Städtchen mit einem schönes Hafen. So konnte ich also zum zweiten mal am heutigen Tag den Strand genießen!

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Wenngleich sich auch vor dieser Küste die schlimmste Katastrophe der Seefahrtsgeschichte ereignet hat – Im Januar 1945 sank hier die „Wilhelm Gustloff“, nachdem sie von einem Torpedo getroffen wurde, mit tausenden Flüchtlingen an Bord. 1239 davon konnten damals gerettet werden!

27.05.2014
Stolpmünde – Danzig
Über den heutigen Tag gibt es ausnahmsweise nicht viel zu berichten. Wider aller Wetterprognosen war der heutige Tag lausig kalt und geprägt von stetig heftigen Seitenwind. Ich war mehr am Surfen als biken. Wenigstens hat es nicht geregnet und so hat mich im Moment der Moloch der Großstadt Danzig verschluckt – morgen werde ich dazu die Altstadt erkunden… Dazu hab ich mich schon mal mit Infos aus meiner Pension eingedeckt…

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28.05.2014
Danzig
Neuer Tag, neues Glück – neuer Eintrag.
Wie gesagt, ich war ja heute in Danzig unterwegs. Tolle Stadt, auch wenn sie viel von ihrem alten Glanz verloren hat. Zwangsläufig muss man auch hier, wie halt in ganz Polen wieder sagen. Der Krieg hat auch und gerade hier, wo er seinen Beginn mit dem Beschuss der Westerplatte nahm, seine deutlichen Spuren hinterlassen.

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Ausgestattet mit ner ganz guten App (Reiseführer hat trotzdem nicht ausgedient) bin ich losgezogen.

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Trotz saukaltem und stürmischen Wetter hab ich mir die wichtigsten „See’s & Do’s“ (steht wirklich so in der App!) angeschaut 🙂
Altes Gemäuer findet man an jeder Ecke. Vieles historisch alt, vieles aber einfach auch verfallen. Nach den Nazis hat auch der Kommunismus seine Spuren hinterlassen.
Neben den schönen Kirchen und Gebäuden entlang der Prachtstraße Dluga und der Ulica Mariacka mit ihren schönen Läden, die allerlei Kunsthandwerk verkaufen hab ich noch einen Abstecher auf die Westerplatte, das ist ein Bereich am Ende des Danziger Seehafens, gemacht.
Das geht entweder touristisch teuer mit dem Ausflugsboot, oder auch günstig mit der Wassertram! Vieles, wie auch die Schaffung dieser neuen Hafenverbindung wurde mit Mitteln aus dem EU-Förderprogramm finanziert. Man sieht viele dieser Hinweisschilder in der Stadt.

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Apropos Tram, so bin ich auch in die Stadt gekommen. Mein Hotel liegt ca. 2,5 km von der Altstadt entfernt. ÖPNV gehört in Polen zu den Bedürfnissen, die sich jeder leisten soll. Das Ticket hierfür kostete umgerechnet 0,75€.
So wie in jeder anderen Tram der Welt, war auch meine zum Feierabend hin gesteckt voll. Für die 10 min Fahrstrecke ging das und zu gucken gibt’s ja auch immer ne Menge.

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Hier noch ein paar Highlights meines heutigen Tages!

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Ein anderes Grundbedürfnis scheint den Polen ihre Kommunikation zu sein. Ich weiß nicht, ob das in Polen genauso ist wie in Litauen – dort steht der freie Zugang zum Internet sogar in der Verfassung!
Jedenfalls finden sich in ganz Danzig, wie in anderen polnischen Städten auch, jede Menge Hinweisschilder, die auf freien Wifi-Zugang hinweisen. Tolle Sache. Wenn ich mir da so die aktuelle Diskussion in Ravensburg anschaue…soll der Marienplatz freies WLAN bekommen…ja…nein… Diskussion… Lichtjahre entfernt!!

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Die Aussichten für morgen sind auch nicht gerade berauschend. So wie heute kaum mehr als 10 Grad. Der Hinterreifen an der GS hat auch schon deutliche Spuren abbekommen. So musste ich heute Abend noch nen gerissenen Stollen flicken, der sollte aber kein Problem machen.

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Die Taube auf dem Kotflügel (Nomen est Omen) vorne nehme ich auf keinen Fall mit – morgen geht’s endlich nach Masuren. 350 hoffentlich regenfreie Kilometer bis dahin!

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29.05.2014
Danzig – Masuren
In der Nacht hatte es geregnet – macht nix, die ist eh zum Schlafen da. Nach wirklich opulentem Frühstück mit frischem Rührei und Apfelpfannkuchen – sozusagen livecooking, hab ich mich dann frisch gestärkt dem Niesel entgegengestemmt.

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War aber gar nicht so schlimm und die Regenkombi konnte im Topcase bleiben. Noch kein einziges mal war das Teil bisher von Nöten! Sag da mal einer, im Norden gibt’s nur schlechtes Wetter.

Erstaunlicher Weise war die Abfahrt deutlich entspannter als die Hinfahrt nach Danzig. Nach 20 min war ich aus der Stadt.
Entgegen meinen Gewohnheiten, wählte ich zur Weiterfahrt die E 75. Zum Teil autobahnähnlich ausgebaut konnte ich schnell Kilometer in Richtung Osten aufnehmen.
Ich weiß, schon warum ich lieber kleine und kleinste Straßen bevorzuge – auf den Schnellstraßen fahren nur Selbstmörder! Mittlerweile ist mir auch klar, dass die Polen, vorzugsweise die polnischen Sprinterfahrer rausziehen, als ob’s kein Morgen gibt (Ich denke mal, Mercedes-Benz Nutzfahrzeuge hat einen großen Teil seines Umsatzes dem polnischen Sprintermarkt zu verdanken – ich seh auf jeden Fall nix anderes ;-)) Klappt zwar auch, weil alle mitspielen… Wenn das aber pro Fahrspur zwei gleichzeitig versuchen, dann wird’s halt eng. Die Kreuze an den Straßenrändern sprechen ne deutliche Sprache. Besonders die Kreuze, an denen Helme hängen machen mich nachdenklich. Außerdem sieht das doch ziemlich martialisch und mir zu sehr nach Kriegsgräberstätte aus. Vielleicht hinkt der Vergleich ob der Bedingungen im Straßenverkehr nicht mal so sehr!
Egal, ich spulte Kilometer… und schon bald überquerte ich die Weichsel. Die war gerade dabei die Umgebung zu besuchen – sprich, Hochwasser war im Anmarsch!

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Nicht viel später und ich war endlich in Masuren, vielmehr im Ermland.

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Nachdem ich schon ne ganze Strecke durch das Ermland unterwegs war, tauchte am Horizont das wunderschöne Frombork, ehemals Frauenburg mit seinem imposanten Dom auf. U. a. Wirkungsstätte von Kopernikus, dem Astronomen. Die Straße führte mich aber erst mal zum Hafen. Trotz des bedeckten Himmels war es kein Problem über das Frische Haff und Nehrung die Wanderdünen auszumachen.

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Aber zurück zum Dom… Christi Himmelfahrt war ja auch und somit waren die Gläubigen unterwegs. Und nicht nur die… Am Fuße des Doms hab ich die Bekanntschaft von 2 netten Bikern gemacht. Bikern im ureigentlichen Sinne. Die beiden, aus München und Finnland stammend, waren im Begriff mit den Rädern ins Baltikum zu fahren. Genauer gesagt erst mal nach Riga, cool!

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Aber ich hatte ja auch noch ca. 200 km vor mir. Und die hatten es in sich! Die Straßen wurden zum Teil richtig schlecht – stellenweise musste ich sogar in die Fußrasten.
Wie gesagt, Russland war nicht weit, oft nur einen Steinwurf entfernt. Das Navi, ein wirklicher Helfer kapitulierte vor dem geografischen Nirwana der Exklave Kaliningrad 🙂

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Aber alle schlechten Straßen haben mal ein Ende. Die Landschaft öffnete sich immer wieder einmal und das Ermland zeigte sich in seiner ganzen Weite.

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50 km vor meinem heutigen Ziel bin ich dann noch am Hinweisschild zur Wolfsschanze vorbeigekommen.
Die Wolfsschanze, Hitlers bevorzugter Aufenthalt während des Russlandfeldzuges. Ich bin dann kurzer Hand abgebogen um mir das Ganze näher zu betrachten. Dort angekommen war ich ganz erschrocken über die Heerscharen an Autos auf dem Parkplatz – was für ein Rummel. Und… auf meiner ganzen Tour bisher hab ich selten mal ein deutsches Kennzeichen gesehen. Jetzt weiß ich, wo die alle steckten. Mir war es auf jeden Fall zu trubelig, müde war ich auch. Schau ich mir morgen mal an.

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So bin ich also nun in Masuren am wunderschönen Mamrysee (Mauersee) angekommen. Ein leckerer Kaffee nebst Kuchen wartete auch schon auf mich. Nach ner kurzen Runde auf dem sicherlich 7 ha großen Hotelgelände werde ich nun meine müden, schlaglochgeplagten Knochen für die nächsten Tage hier ausstrecken!

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30.05.2014
Masuren
Die Nacht hier in meinem Hotel am Mamrysee verlief relativ problemlos. Ein Bierchen am Abend verhalf mir zu einem tiefen und geruhsamen Schlaf. Hatte ich mir auch verdient 🙂
Morgens aufgewacht, Frühstück hatte ich in weiser Voraussicht auf 9 Uhr terminiert, empfing mich der Tag mit recht nettem Wetter. Auch die Temperaturen waren nicht wieder zu erkennen. Lange nicht mehr so kalt wie die letzten Tage, prima.
Dafür habe ich nun ein anderes Problem. Meine Schulter schmerzt. Das macht mir richtig Sorgen. Nicht die kürzlich operierte nö, die rechte Schulter meldet sich. Wie mir scheint, sind das Nachwehen der anstrengenden Fahrt durch das Ermland am vergangenen Tag. Hoffentlich nur Nachwehen und keine Vorboten für was auch immer….
Aber zurück zum Tag. Hatte mir für heute zwar jede Menge vorgenommen, aufgrund der beschriebenen Problem wurde es dann doch „nur“ der Besuch der Wolfsschanze.
„Nur“ bedeutet hier dann aber immer noch eine Kilometerleistung von 150 km.
Und die waren landschaftlich wirklich schön. Über kleinste Straßen und Alleen bahnte ich mir den Weg zum historischen Hotspot der Gegend.

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Sieht schön aus, nicht wahr… martert aber auch ganz schön. Auf dem Rückweg wollte ich mir das dann nicht mehr antun, ausnahmsweise!
Mein Trip in die Geschichte führte mich dann zufällig auch über jene Bahnlinie, mit der beispielsweise Mussolini den Führer in seinem Quartier besuchte. Wirklich erstaunlich, wie gut erhalten z. T. noch die Naziinfrastruktur ist.

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Wenig später war ich dann angekommen – Hitlers Fuchsbau in Ostpreußen.
Gar nicht mal so teuer… 20 Sloty, grob umgerechnet knapp 5€ für Eintritt und Parkplatz.
Ich hab mich dann einfach einer geführten Gruppe angeschlossen, hat keinen interessiert.

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Danuta, die polnische Führerin erzählte in beeindruckender Weise und in exzellentem Deutsch die Geschichte dieser Anlage.
Ein zentrales Thema dabei war natürlich die tragische Geschichte rund um das fehlgeschlagene Attentat auf Hitler durch Claus Schenk Graf von Stauffenberg am 20. Juli 1944.

Wer es bis dahin nicht wußte, dass Hitler einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatte – hier kam es zum Tragen!
Ich versuch mal, die Geschichte kurz zusammen zu fassen…

Stauffenberg, Stabschef des Ersatzheeres und sein Adjutant Werner v. Häften kamen vormittags mit dem Flieger aus Berlin an der Wolfsschanze an. Ziel war es, Hitler durch 2 Bomben mit chem. Zündern auszuschalten.
Da Graf Stauffenberg zum Stab gehörte, war ihm der Zugang in den innersten Sperrkreis der streng geschützten Anlage möglich.
Und wie es der Teufel so wollte, waren mehrere Faktoren dafür verantwortlich, dass das Attentat nicht klappen sollte.
Erstens wurde die Besprechung von 13 Uhr auf 12:30 Uhr vorverlegt. Stauffenberg hatte somit nur noch Gelegenheit eine Bombe scharf zu machen.
Zweitens wurde die Besprechung aus Mangel an Platz aus einem Bunker heraus in die Lagebaracke verlegt. Dies sollte noch wichtig werden!
Drittens, die in einer Aktentasche ca. 2,5 m von Hitler deponierte Bombe stand einem der beteiligten Personen im Weg. Er viel schlicht und ergreifend darüber und stellte sie ans andere Ende des Raumes unter den raumfüllenden Kartentisch aus massiver Eiche.
Zu diesem Zeitpunkt hatte Stauffenberg bereits wieder unter dem Vorwand telefonieren zu müssen die Lagebesprechung verlassen – es war jetzt 12:35 Uhr.
Viertens, alle Fenster der Lagebaracke waren aufgrund der Hitze an diesem Tag geöffnet.
Stauffenberg und sein Adjutant verließen mir ihrem Fahrzeug den Sperrkreis Richtung Flugplatz.
12:42 Uhr detonierte der Sprengsatz – Stauffenberg und v. Häften hörten dies und warfen die 2. Bombe auf dem Weg zum Flugplatz in den Wald. Sie waren davon überzeugt, dass das Attentat geglückt sein musste!
Was sie nicht wussten… Hitler hatte nicht nur die Explosion überlebt, er war sogar nur relativ leicht verletzt worden. Die Druckwelle verpuffte durch die geöffneten Fenster.
Eine Person starb sofort, 3 weitere kurze Zeit später. Lediglich ein Knalltrauma und ca. 200 Holzsplitter in beiden Beinen, dazu eine lädierte Hand trug er davon.
Im Glauben Hitler sei tot, flogen Stauffenberg und sein Adjutant zurück nach Berlin. Durch den Bombenfund im Wald wurde Stauffenberg schnell als Täter identifiziert und noch am selben Tag mit seinen Gefolgsleuten in Berlin-Plötzensee standrechtlich erschossen. Die Hinrichtung wurde gefilmt, Hitler hat die Bänder umgehend erhalten und sie sich auch angeschaut.
Danuta erzählte, dass im Umkreis Stauffenbergs ca. 5000-7000 Gleichgesinnte ihr Leben lassen mussten.
Die Familie Stauffenbergs und viele andere mit kamen in Sippenhaft, die Kinder in Kinderheime, seine Frau musste einen anderen Namen annehmen usw… erschreckend!

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Ich hatte noch etwas Zeit, die Vorräte sollten auch mal wieder aufgefüllt werden, war ich noch mal eben bei Lidl. Der ist lt. Slogan nicht nur bekanntlich billig, sondern auch in Polen überall zu finden.
Der Mensch lebt ja nicht nur von Luft und Liebe, deswegen war ich auch noch schnell am Bankautomaten.
Nicht dass das so besonders günstig wäre, die Kurse in den Wechselstuben sind da deutlich günstiger. Zurzeit bekommt man dort für 1€ ca. 4,2 Zloty. Aber ein „Kontor“, so nennen sich hier die Wechselstuben, war gerade nicht zu finden.

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Ich weiß ja, das die BMW einen gewissen Anziehungsreiz besitzt. Unter anderem bin ich darüber bisher auf meiner Reise immer wieder mit den verschiedensten Leuten in Kontakt gekommen. Meiner Meinung nach, macht dies viel an Reisequalität aus.
Aber ein so kleine Interessentin hatte ich auch noch nicht 🙂 Die Kleine ließ es sich nicht nehmen mal kurz auf der GS zu thronen.

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…auch wenn es bis zum Zielgruppenalter noch ein bisschen hin ist 🙂

So ging der Tag sehr schön und doch recht nachdenklich zu Ende und ich hatte abends noch genug Zeit, den Tag Revue passieren zu lassen und mich mit Salbe und Wärmepflaster meiner Schulter zu widmen.

31.05.2014
Wie gesagt, ich hab den Tag heute zum Chillen genutzt. Das Moped blieb in der Garage und die Mopedklamotten im Schrank.
Und entspannen und Ruhe finden, das kann man hier in der Villa Mamry bestens. Nachdem ich mich wieder als letzter hab im Frühstücksraum blicken lassen – es war schon wieder 9 Uhr 🙂 war ich mir der ungeteilten Aufmerksamkeit der Besitzer sicher.
Also verhungern muss in Polens Hotel- und Gastronomie sicher niemand! Aber das hier schlägt doch bisher alles. Liebevoll hergerichtetes und extrem reichhaltiges Frühstück. Je zwei Brot- und Brötchensorten. Zweierlei selbstgemachte Konfitüre, Honig vom Imker, frisch zubereitetes Rührei und und und… eben nicht alles vom Buffet, herrlich.
Der Besitzer ist hier in der Gegend geboren. Ich hab mich lange mit ihm unterhalten. Er hat die Schrecken des 2. Weltkrieges noch erlebt und wie mir schien auch nicht vergessen. „Er hatte einfach das nötige Glück“, als die deutsche Front zurück und die Rote Armee vorwärts marschierte. Viele hatten seiner Aussage nach nicht soviel Glück. Die Gräuel, die die Wehrmacht im Osten angerichtet hatten, kamen nun oft genug als Bumerang zurück.
Er verurteilte auch sehr scharf das Vorgehen des Westens in der Ukraine. Nichteinmischung und Diplomatie, das blieb mir bei seinen Aussagen hängen.
Die Polen haben eine nicht zu unterschätzende Angst, wieder mal zum Spielball zwischen Ost- und Westmachtgehabe zu werden. Wer kann’s ihnen verdenken!
Ich jedenfalls hab es mir, wie schon gesagt, heute gemütlich gemacht. Die Schulter gepflegt und die Seele hier unten am See baumeln lassen.

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Nebenbei bin ich immer wieder mal hier im Blog und schraube an der einen oder anderen Formulierung herum.
Hoffentlich muss ich hier nicht noch mehr schrauben, mit Schrecken sehen ich gerade, dass irgendwas mit dem Laden nicht mehr funktioniert. Der Steckeranschluss scheint irgendeinen Wackelkontakt zu haben. Mist, jetzt hält mal das Moped und nun macht das iPad schlapp?!
Ich hoffe nicht, dass das hier der letzte Eintrag sein wird!
Ihr werdet es ja sehen… Bis dahin…

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01.06.2014
Masuren – Bialowieza (weißrussische Grenze)
Der Tag fing ja mal richtig gut an. Bei strahlendem Sonnenschein aufgewacht.
Wie weit man hier im Nordosten ist sieht man auch daran, dass hier der Sonnenaufgang aktuell um 4:07 Uhr stattfindet.
Hatte heute schon etwas Wehmut beim Abschied vom Mamrysee. Das Wetter, das Hotel und seine Betreiber, die Umgebung, die Verpflegung… es war schon alles sehr stimmig.
Jedenfalls hat sich meine Schulter wieder etwas erholt und guten Mutes hab ich mich dann auf die Maschine gesetzt.
Es ging also nun an den östlichsten Punkt meiner Reise. Bialowieza, zentraler Ort und Ausgangspunkt für Wanderungen und Expeditionen in den letzten verbliebenen Tieflandurwald Europas. Bären, Wölfe, Luchse und vor allen Dingen die für diesen Nationalpark berühmten wildlebenden Wisente!
Der Weg dorthin führte mich durch dicht bewaldete Landschaft, immer wieder unterbrochen durch weite freie Flächen, Sümpfe und Seen.
Elchland also….

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Leider war gerade keiner dieser doch eher phlegmatischen Großhirsche in der Nähe, konnte ich also meine Reise fortsetzen. Nicht ohne jedoch die Augen gut geschärft die Straße im Blick zu behalten. Zahlreiche Infotafeln Fahrbahnrand warnen vor Zusammenstößen mit diesen Tieren.

Das Wetter war noch einigermaßen, der Wind hatte noch nicht aufgefrischt und ich gab der BMW etwas die Sporen. War doch für den Nachmittag Regen in der Zielregion angekündigt.
Selten genug, dass ich bisher auf Motorräder getroffen bin, nun hatte ich doch plötzlich gleich 3 Stück im Rückspiegel. Etliche Kilometer blieben die Maschinen hinter mir, als sie sich dann doch zum Überholen entschlossen. Freundlich winkend zu mir herüber versteht sich. Jetzt ich also hinten dran.
Es waren polnische Kennzeichen. Etwas anderes hätte mich auch gewundert. In der nächst größeren Stadt führte mich mein Weg an einer Kreuzung links weg, die polnischen Bikes geradeaus. Schade eigentlich, war doch recht nett, ein paar Kilometer gemeinsam gefahren zu sein.
Ausgangs der Stadt führten uns unsere Wege wohl doch wieder auf einen gemeinsamen Weg. Plötzlich waren die Motorräder wieder im Rückspiegel und ich wurde freundlich winkend erneut willkommen geheißen.
Die nächste Tankstelle wurde dann zum Treffpunkt, ohne dass man sich darüber groß verständigt hätte!

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Die vier kamen von einem Motorradtreffen und waren auf dem Heimweg nach Lublin. Haben mir total lustige Bilder gezeigt. Kann keiner behaupten, dass die Polen kein geselliges Völkchen sind. Und überaus herzlich und hilfsbereit.
Kaum ein Land, in dem man so schnell Kontakt bekommt, schön!

„Hey guys out of Lublin, this is especially for you! So sad, that you aren’t in my rear mirror again!“ And…. the VT 500 Custom is s t i l l a dream!!!
See you!

Nach dem netten Kaffeeplausch ging’s weiter.
So langsam wurde es russischer, zumindest die Straßenschilder hatten nun schon mal kyrillische Buchstaben und die erste russisch-orthodoxe Kirche tauchte auf.

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Waren noch viele Kilometer. Zu viele, um genau zu sein, exakt 20 km vor Bialowieza fing das an zu regnen. Dieses mal so, dass ich zum ersten mal nach 2000 km die Regenjacke rausziehen musste. Wenigstens hab ich sie dann nicht umsonst mitgeschleppt und das topcase hatte endlich auch seine Berechtigung 😊

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Schließlich bin ich dann doch angekommen, einen Steinwurf von der Grenze zu Weißrussland entfernt.
Morgen guck ich mal, ob ich mir nicht irgendwo ein Wisent fangen kann 🦬

02.06.2014
Bialowieza/ Podlachien
Leider gibt es heute mal nicht so viel zu berichten. Aus meiner Wisentjagd wurde leider nix. Ist ins Wasser gefallen. Es hat in der Nacht und auch noch am Vormittag wie aus Eimern geschüttet. Und so wurden die heutigen Führungen abgesagt.
Ich glaub das war der Gruppe von Forstwirtschaftsstudenten der Yale University gar nicht mal so unrecht. Die Jungs und Mädels haben auf jeden Fall „ihren“ Frühstücksraum kurzerhand als Ersatzmensa umfunktioniert und ordentlich Alarm gemacht.
Ich dachte immer, Yale ist so ne Uni für die Sprösslinge der reichen und wohlerzogenen Amioberschicht?!

Egal, die werden Zuhause wohl nicht so die Sau rauslassen können 🙂
Ich hab dann aus der Not ne Tugend gemacht und mal danach geforscht, wo denn der kleine Wassereinbruch an meinen Alukoffern herkommt. Die Falze sind wohl undicht geworden, ts ts ts.
Wenigstens hat die 1150er GS noch ordentliches Werkzeug inclusive Flüssigkleber. Mal schauen, ob das hält…
Ansonsten hab ich mir den Schlosspark angeguckt, Blümchen gepflückt und bin ins Museum gegangen 🙂

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So richtig groß ist der Ort hier ja nicht – so um die 2000 Einwohner. Aber es dreht sich alles um den Nationalpark. Schon lange. Auch der Zar war hier schon auf Elchjagd.
Für morgen packe ich schon mal meine Siebensachen zusammen, denn morgen geht’s nach Lublin. Auch ca. 350 km Fahrstrecke, bei angekündigt günstigeren Wetterbedingungen.

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03.06.2014
Bialowieza – Lublin/ Majdanek
Aus den angekündigten günstigen Wetterbedingungen wurde leider erst mal nix. Bin schon bei Nieselregen losgefahren und mit zunehmender Strecke wurde es dann eher schlimmer als besser. Mir viel dann auf, dass mir der entgegenkommende Verkehr anfing Lichtzeichen zu geben. Also schön die Geschwindigkeit eingehalten. Half aber nix…. Ich hatte doch schon den Scheinwerfer nach unten justiert, blenden konnte ich also auch nicht. Und das konnte ich dann wirklich nicht mehr, als mir erstens ein Licht auf- und bei der BMW zweitens ausgefallen war.

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Dieser Stinker war dafür verantwortlich! Na gut, bei der 1150er GS ist die Birne im Handumdrehen gewechselt, hatte ich auch dabei. Beruhigender ist es natürlich, wenn man dann seine Ersatzteilvorräte wieder aufgefüllt weiß. Man weiß ja nie, ob das nicht nochmal vorkommt. Jetzt war ich ja nicht gerade auf der Hauptdurchgangsroute unterwegs – eher so gar nicht. Flugs an die nächste Tanke, es regnete gerade eh wieder. Kein Problem im Shop, einmal nachgefragt und schon hatte ich ne Ersatzbirne. Für die H1 hab ich mir Zuhause die Hacken abgelaufen. Und für den Bruchteil die die hier gekostet hat, ist es schwer, bei uns einen Kaffee zu bekommen!
Weiter ging’s… 80 km vor Lublin riss der Himmel dann auf und es wurde schön.
Wer mich kennt der weiß, dass ich es hasse mit einem dreckigen Motorrad durch die Gegend zu fahren. Bei der Tour hatte ich mir eigentlich geschworen…es wird nicht geputzt.
Aber nur einmal so mit dem Dampfstrahler drüber, wird ja wohl erlaubt sein 🙂
Ich Depp, hätte ich’s nur gelassen. Murphy lässt grüßen. Der Geber der Ganganzeige, sitzt wenig komfortabel huckepack hinter dem Getriebe, hat wohl etwas Wasser abbekommen. Jedenfalls zeigt mir die Ganganzeige nun irgendwelche Gänge an – der richtige ist selten dabei. Egal, nicht lebensbedrohlich. Wie gesagt – ich Depp!
So bin ich also nach Lublin eingerollt, das Hotel gleich gefunden. Wollte mich eigentlich im Zimmer nur kurz frisch machen, da rief schon die Rezeption an. Ob ich denn nix vermisse?! Auf meinen Helm kam ich nicht. Der lag nämlich noch dort. War wohl eher anstrengend, der Tag…
Trotz alledem, ich wollte ja noch Majdanek besuchen gehen. Also wieder zurück in der deutschen Historie.
Und dieses mal ins dunkelste Kapitel. Das was auf der Wannseekonferenz besprochen wurde, sah ich hier umgesetzt.

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Beeindruckend und bedrückend – mehr Worte möchte ich darüber auch gar nicht verlieren. Ein jeder muss selbst für sich entscheiden, wie er mit diesem Kapitel deutscher Geschichte umgeht.

Zurück in Lublin habe ich mich dann als „Themawechsel“ dazu entschlossen mich unters Volk zu mischen. Raus aus dem Hotel und die Stufen zur Altstadt erklommen.
Lublin ist ne Unistadt mit ca. 100.000 Studenten. Merkt man, die Kneipendichte ist hoch.

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Ich war eben im Begriff wieder ins Hotel zu gehen, ein letztes Foto aus der Altstadt zu schießen, als ich plötzlich von einem älteren Ehepaar angesprochen wurde. Ob mir die Stadt gefällt, was meine Motivation war, ausgerechnet Polen zu besuchen usw….
Daraus entwickelte sich eine 1,5 stündige Unterhaltung über das deutsch-polnische Verhältnis, die Situation in der Ukraine und die polnischen Ängste dabei…letztendlich haben wir dann über Gott und die Welt gesprochen.
Ein Pole, der jetzt in London lebt und mit seiner Schwester den Ort ihrer Kindheit besucht läuft ausgerechnet mir über den Weg.
Aber es zieht sich wie ein roter Faden durch die Tour. Man kommt sehr leicht mit der Bevölkerung in Kontakt – sehr sehr schön!

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04.06.2014
Lublin – Krakau
So, jetzt aber los. Duschen und frühstücken – Krakau wartet und draußen ist es schön!

Krakau hat gewartet, ich bin jetzt hier.
Nachdem ich zwar gut aus Lublin raus, dann aber in eine dieser EU-finanzierten Ausfallstraßen gekommen bin, die sich irgendwie alle gerade gleichzeitig in Bau zu befinden scheinen, bin ich jetzt doch ziemlich erledigt in Krakau angekommen.
Die ewige Baustellenfahrerei hat doch ziemlich genervt. Zweitens hat sich das Bild der Landschaft komplett geändert. War es vorher doch immer irgendwie sehr zersiedelt und recht einsam, so reihten sich nach dem Überqueren der Weichsel Richtung Sandomierz Ortschaft an Ortschaft.
Es wird in dieser Gegend viel Obst und Gemüse angebaut. Die Landschaft wurde hügeliger und auf den letzten 100 km bis Krakau erinnerte sie mich sogar ein wenig an das Hinterland des Bodensees und den Hegau.
Ich hatte sogar einmal ein Hinweisschild „Serpentienen“ 🙂
Ich hab euch mal in der Überschrift eine Grafik der verschiedenen Woiwodschaften angehängt.
Woiwodschaften, es gibt 16 davon in Polen, sind so etwas wie bei uns die Bundesländer.
Wenn auch im zentral regierten Polen mit viel weniger politischem Gewicht ausgestattet. Eher als Verwaltungseinheiten anzusehen.
So bin ich also mit dem Übergang von Deutschland nach Polen nun schon durch:
– Westpommern
– Pommern
– Ermland-Masuren
– Podlachien
– Masowien
– Lublin
– Heiligkreuz
und Kleinpolen gekommen.

Morgen Schau ich mir die Altstadt Krakaus an- soll ja so toll sein.

05.06.2014
Krakau
Bin ich erledigt. Angesichts des angekündigten warmen Wetters (so wollte ich’s doch eigentlich haben?!) habe ich mich also schon früh, d. h. nach dem Frühstück auf die Beine und in die Stadt gemacht. Altstadt, unzerstört, berühmt, viel zu gucken… eben. Deswegen früh, weil bekanntlich fängt der frühe Vogel den Wurm, bzw. hat noch unterbauten Blick auf die Sehenswürdigkeiten.

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Ich also gleich mal den zentralen Marktplatz gestürmt und wirklich noch bei wenig Publikumsverkehr die ersten Bilder geschossen.

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Die Marienkirche ist ein Traum. Wenngleich die Profibettlerinnen in der Kirche doch eher lästig waren.
Ich sag das nicht zynisch, aber wenn mich jemand in ausgezeichneter Mehrsprachigkeit nach Geld fragt und dabei nicht wie ne in Not geratene Frau wirkt, dann hab ich da schon mein Problem damit. Zumal mir das in der Folge in zwei weiteren Kirchen auch noch so gegangen ist.
Egal, Kirchen gucken macht Spaß, ich mach’s immer wieder gerne.

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Weiter ging’s zum Wawel, wie die Altstadt auch zum UNESCO-Weltkulturerbe gehörend.
Der Wawel, die Grablege der polnischen Könige, liegt auf einem Hügel inmitten der Stadt. Von dort hat man einen fantastischen Blick auf selbige und auf den Weg, den man zum Hotel wieder wird zurück latschen müssen!

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Dort oben wurde mir dass aber bald zu trubelig. Neben den obligatorischen japanischen und amerikanischen Touristen, scheint dies auch ein vorrangiger hotspot für die polnische Bevölkerung zu sein.
Ich wollte eh noch das jüdische Viertel besuchen. Dort angekommen lief mir eine englisch geführte Tour über den Weg. Ich fand das Schild, das für diese Touristenorganisation warb so nett, also schloss ich mich kurzerhand an 😊

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Letztendlich auch kein Problem gewesen. Aus dem kurzen anschließen wurden dann nochmal 4 Stunden Touriprogramm! Die hatten es aber in sich. Ich erfuhr total viel über die jüdische Kulturgeschichte der Krakauer Juden. Natürlich auch etwas über ihre Leidensgeschichte während des 2. Weltkriegs.
Jeder von euch kennt ja den Film von Stephen Spielberg – „Schindlers Liste“. Der behandelt ja das Thema, das Oskar Schindler, ein Deutscher Unternehmer, Nazispion, Opportunist und Tausendsassa ca. 1200 Juden das Leben vor der Vernichtung durch die Nazis gerettet hat.
Sicher kein unumstrittener Mensch gewesen, die „Schindler-Juden“, wie sie sich selber nannten, für sie war er jedenfalls ein Held.
Letztendlich wurde ihm in Yad Vashem die Ehre zu Teil, „Gerechter und den Völkern“ als Anerkennung seiner Verdienste im Kampf gegen den Holocaust.

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Geschichte kann also auch spannend sein, so jedenfalls hab ich die 4 Stunden Führung erleben dürfen. Wie gesagt, rein zufällig da reingestolpert. Wen das interessiert, das war jetzt nur ein kleines Guckloch in die Geschichte der Krakauer Juden, es würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen, was ich heute so im Läufe dieser Führung an Daten erfahren habe. Ich erzähl es dann mal, wenn ich wieder Zuhause bin.
Apropos Zuhause… So langsam nähert sich die Reise ihrem Ende. morgen steht die Königsetappe von Krakau nach Prag an – 550 km Motorradfahren!

06.06.2014
Krakau -Prag
Erstaunlich gut liefen die gut 500 km bis nach Prag. Durch den morgendlichen Berufsverkehr bin ich mehr als gut aus der Stadt gekommen. Wenn man bedenkt, Krakau hat gut 750.000 Einwohner, zählt man die 250.000 Studenten dazu, dann ist es ne Millionenstadt.
Angesichts der langen Strecke hab ich mich dazu entschlossen, ein Stück weit über die Autobahn zu fahren. Das ich mich wieder in der Zivilisation befinde hab ich spätestens daran gesehen, dass es nun wieder etwas kostet, wenn man ein Stück Straße benutzen möchte 😎

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Genau, Mautstellen tauchen am Horizont auf. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist die Benutzung aber vergleichsweise günstig. Für insgesamt 200 km Autobahn hab ich zusammen 13,50 Zloty, also ungefähr 3,20€.
Die Landschaft war zwar, so wie bisher auch, viel durch Landwirtschaft geprägt, aber nun änderte sich das. Als ich in den Großraum Kattowitz, ich bin also durch Schlesien, genauer durch das Oberschlesische Steinkohlebecken gefahren. Quasi das Ruhrgebiet Polens. In dieser Megametropole leben rund 3,5 Mio Menschen. Wahnsinn, ich bin kilometerweise durch Industrielandschaft gefahren. Fördertürme und Abraumhalden, Schwerindustrie, aber auch Elektronik, die wohl mehr und mehr den Kohlebereich ablöst.

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Nachdem ich den Industriemoloch hinter mir gelassen hatte, begann sich die Landschaft zu wandeln.
Mehr und mehr tauchten nun Wälder und Wiesen, aber auch immer wieder Gewässer auf. Landwirtschaft dominierte nun wieder diesen Teil der schlesischen Tiefebene.
Zwischendurch hatte ich mir auch mal Zeit für ein Mittagessen genommen. Die letzten Zloty unters Volk gebracht.

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Das ich mich abseits der großen Touristenströme bewegte, merkte ich allein schon daran, dass ich erstens nicht verstand, was auf der Speisekarte stand und zweitens die Dame vom Service nicht verstand, was ich essen wollte 😂
Zusammen haben wir uns dann auf gebratenes Huhn mit Salat und Kartoffeln geeinigt. Kartoffeln und Krautsalat gibt’s in Polen nahezu immer in irgendeiner Form zu essen.
Zusammen mit einem Softdrink hat das umgerechnet keine 5€ gemacht. Und lecker war es obendrein.
So, wieder rauf aufs Moped, es waren noch 250 km.
Am Horizont tauchte dann plötzlich etwas auf, was ich in den letzten Wochen schon gar nicht mehr vermisst habe – Berge, kleine halt. Ein Mittelgebirge, genauer im Sudetenvorland in Fahrtrichtung Tschechien bildet das Adlergebirge die natürliche Grenze zwischen Polen und der Tschechischen Republik. Kaum mal tausend Meter hoch erinnerte mich die Landschaft doch sehr an die Rheinebene mit Blick auf die Vogesen. Passt so ziemlich…

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Da hat doch der Herrgott eine herrliche Falte in die Landschaft gezaubert. Ich konnte sogar wieder damit anfangen, meine eckigen Reifen ein wenig abzurunden.
Nach diesem schönen Intermezzo ging es dann über die tschechische Grenze….

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…und zuletzt dann wieder für die letzten 100 km auf die Autobahn in Richtung Prag.
Das Navi zeigte noch genau 1,3 km bis zum Ziel, mitten in einem der zahlreichen Vorortzubringer zur Innenstadt, als ich beinahe meine Reise hätte wohl vorzeitig beenden müssen.
Viel zu schnell, abschüssig war es auch noch, kam von hinten ein Auto angefahren. Die rote Ampel, von mir ganz zu schweigen hatte der wohl übersehen.
Ich hatte Gott sei Dank einen Gang eingelegt. Als ich es quietschen hörte und in den Rückspiegel schaute fackelte ich nicht lange und fuhr auf die sich neben mir befindliche Abbiegespur in die Kreuzung rein.
Keine Sekunde zu früh – mit rauchenden Reifen kam das Auto bestimmt 5 m nach mir zum Stehen. Nie und nimmer wäre das gut ausgegangen, puuh.
Bisher die einzige brenzlige Situation. Jeder der Motorrad fährt, der weiß und fürchtet sich davor von hinten auf die Hörner genommen zu werden.
Mein Albtraum auch, nix dafür zu können und….
Der Rest der verbleibenden Meter hab ich dann ohne Spektakel hinbekommen.
Prag werde ich für dieses Mal auch links liegen lassen – erstens kenne ich die Stadt von vorhergegangen Besuchen schon ganz gut und so ganz nebenbei war ich auch schon ziemlich streckengeschlaucht!
So bleibt mir für heute also nichts mehr zu tun als hier im Blog zu schreiben und jetzt gleich mal zu schauen, ob ich hier irgendwie das Fußballländerspiel reinbekomme, bevor unsere Helden des Balles nach Brasilien zur Fußball-WM abdüsen. WLAN ist hier in diesem sehr netten Hotel nämlich bestens 👍🏻

Morgen gehts dann Richtung Bayerischer Wald, zurück in die Eurozone…

07.06.2014
Prag – Böhmen – Bayerischer Wald
Da bin ich doch mal richtig pünktlich auf das Moped gekommen. Das Frühstück konnte den netten Eindruck des Hotels leider nicht unterstreichen. Hat mir aber nicht wirklich etwas ausgemacht, da ich a. keinen Hunger und b. sowieso früh los wollte.
Schon morgens um 8 Uhr gab es 20 Grad und Wolken haben sich auch nicht blicken lassen. Los jetzt. Bei der Fahrt durch Prag konnte ich beim Überqueren der Moldau doch tatsächlich noch einen Blick auf die Prager Burg, den Hradschin und die Karlsbrücke erhaschen. Bisschen wehmütig war mir schon ums Herz, weil ich Prag aus mehreren Besuchen zuvor kannte und ich wusste, welche Genüsse mir entgehen würden.
Ziemlich flott ging es dann aus der Stadt heraus in Richtung Südwesten und das allmorgendliche Ritual – den Tank für den Tag füllen, stand an.
Wie schon in Polen, ist es auch in Tschechien kein Problem, sich in ein offenes WLAN-Netz einzuwählen. Nahezu jede größere Tanke besitzt ein solches.
Nachdem ich dann bis Pilsen auf der Autobahn fuhr, bog ich dann für den weiteren Verlauf auf kleineres Geläuf ab 👌

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Dieses Bild sollte sich so schnell nicht mehr ändern. Ne schöne Strecke durch Böhmen. Diese Region ist bekannt für sein gemäßigtes Klima. Die Getreidefelder fanden das wohl auch und gediehen prächtig. Herrliches Mitschwingen auf der gewundenen Strecke durch die zahllosen Felder links und rechts der Straße.
Allmählich stieg die Landschaft etwas an und am Horizont tauchten die bewaldeten Höhen des Bayerischen Waldes auf.

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Bald schon war diese geographische Grenze zwischen Tschechien und Bayern erreicht. In wunderschön gewundenen , z. T. auch mit Serpentinen versetzen Abschnitten, stieg die Straße durch den Nadelwald auf beachtliche 1000 m über NN an. Beachtlich deswegen, weil ich gefühlt wochenlang immer nur auf Meereshöhe unterwegs war. Es hatte etwas von Vorarlberg…

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Endlich konnte ich auch wieder etwas gegen meine eckigen Reifen tun. Die Hochfahrt auf tschechischer Seite hat mir jedenfalls besser gefallen als das, was mich dann auf deutscher Seite nach dem Grenzübertritt erwartete.
Jedenfalls ist es schon erstaunlich, dass es bis in diese Region von München, wie von Prag aus mit ca. 190 km nahezu gleich weit entfernt ist.
Die Kennzeichen der jetzt wieder häufiger anzutreffenden Motorradfahrer bestätigten dies nachdrücklich.
Die Grenze in Bayer. Eisenstein am Regen, den Sportanglern als Fliegenfischereldorado ein Begriff, empfing mich mit den an der bayerisch-tschechischen Grenze üblichen Märkten, bei denen allerlei „Markenklamotten“ und ähnlicher Nippes feilgeboten werden.

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Es lief gut, schweineheiß war’s aber und ich entschloss mich, noch etwas der Kurvenfahrerei durch den Bayerischen Wald zu frönen, ehe ich das Ruder nun in Richtung heimatliche Gefilde umlegte.

Eine der besten Investitionen, die ich im Vorfeld für diese Tour tätigte, war mit Sicherheit der Trinkrucksack. Die Blase im Rucksack, immerhin mit 2 l Fassungsvermögen ausgestattet, war mir stets ein wichtiger Helfer bei der Aufrechterhaltung meiner Kondition und Konzentration. Immer gefüllt mit in Wasser aufgelösten Elektrolyten, halfen mir diese über den zu dieser Zeit heißesten Tag des Jahres. 3 x füllte ich an diesem Tag den Behälter.

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Die zweite sinnvolle Investition war der Windabweiser, den ich oben auf das Windschild montierte. Während der gesamten Tour hatte ich nur einen Insekteneinschlag auf dem Visier. Theoretisch wäre ich auch ohne Visierreinigung über die Runden gekommen – aber ihr wisst ja, ich putze gerne 🙂

Die Heimfahrt
War eigentlich recht unspektakulär…
Die Autobahn in Richtung München führte mich, ich hatte schon Bedenken wegen des Pfingstreiseverkehrs, eben um München herum in heimatliche Gefilde.
Bei jeder Rast versuchte ich den wenigen Schatten auszunutzen. Ross und Reiter hatten sich das auch verdient 🥵

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Die letzten Vorräte wurden aufgebraucht. Pumpernickel und haltbare Hartwurst gibt’s auch in Polen, ich hab rege davon Gebrauch gemacht!

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Eine etwas unschönere Begegnung mit der deutschen Autofahrermentalität hatte ich dann doch noch.
Gleich nach dem Übertritt nach Deutschland fiel mir diese Aggressivität, die eigentlich den Polen nachgesagt wird, auf. Es hat mich unheimlich gestresst, mit welcher Art und Weise viele Autofahrer auf dem Nachhauseweg meinten, ihren persönlichen Schutzkreis um ihr „Allerheiligstes“ verteidigen zu müssen. Es hat nur noch genervt.
Und eben an eine solche Spezies bin ich dann auf der eigentlich schönen, weil kurvenreichen Strecke von Aitrach nach Bad Wurzach geraten. Wildgeworden und mit einem Abstand zu mir, den ich in den vorangegangenen tausenden von Kilometern eigentlich nie erleben musste, überholte mich vor einer unübersichtlichen Kuppe ein Autofahrer.
Viel zu schnell, viel zu knapp, viel zu gefährlich. Die nächsten beiden Kurven wären beinahe seine letzten, oder die des Gott sei Dank nicht vorhandenen Gegenverkehrs gewesen.
2 1/2 Wochen kreuz und quer durch Europa mussten vergehen, bis ich auf solch einen Meister der Straße traf.
Egal, so wie ihn dass nicht interessierte, hat es meinen Gesamteindruck der Tour nicht nachhaltig gekratzt. Der Rest bis zur Ankunft in Mochenwangen war „Ausrollen“…

Nach 3.707 km, 75,20 Stunden Gesamtzeit auf der Maschine, davon 52,55 h in Bewegung, 22,25 h Pause, 70 km/h Schnitt in Bewegung, 49 km/h Gesamtschnitt; ca. 192 l Sprit, 1/2 l Öl, ein beleidigter Getriebesensor und einem Scheinwerferbirnchen sowie unzähligen Momenten, die mir ein Grinsen, manchmal Betroffenheit, aber immer die Gewissheit, das richtige getan zu haben bereitet haben, bin ich also wieder zu Hause!

Das war sie also, meine Polentour 2014! Was bleibt bei mir hängen, hmm?!

Die Tatsache, eine Reise quasi am oberen Wendepunkt einer Strecke zu beginnen ist sicher nicht sehr üblich für ne Motorradtour. Für mich, muss ich sagen, ideal!

Mit dem Sammeln von Eindrücken beginnen und erst mit dem Nachhauseweg zu beenden, ne ganz tolle Erfahrung.

Einen Blog als Reisetagebuch zu schreiben – für mich neu, aber sehr hilfreich.

Die Eindrücke des Tages erstens mit euch, meinen Lieben teilen zu können und zweitens als mindmap für sicher kommende „Bildvorträge“ zu nutzen, unabdingbar.

Die Erfahrung, „mutterseelenallein“ diese Tour zu vorzubereiten und durchzuführen, einfach toll.
Ich min mit so vielen, so unterschiedlichen Leuten in Kontakt gekommen, oft genug rein zufällig. Diese Erfahrungen haben mir unendlich viel gegeben.

Ursprünglich bin ich ja mit der Vorstellung losgefahren, mal alleine ne große Tour zu fahren um Land und Leute ohne Rücksichtnahme auf andere kennenzulernen.
Ich denke, dies ist mir gelungen – und nicht nur das. Ich habe, obwohl auch ich mit allerhand Vorurteilen behaftet, ein Land und seine Bewohner kennenlernen dürfen, die trotz unserer beiden oftmals leidvollen Begegnungen durch die Jahrhunderte, keinerlei Vorbehalte mir gegenüber hatten.
Ja im Gegenteil, selten wurde mir mit soviel Herzlichkeit, Offenheit, Neugier und Hilfsbereitschaft begegnet.

Polen, ein Land, mitten in Europa – und da gehört es auch hin !!

„Erfahrt“ es selbst. Keine alltägliche Tour durch ein nicht alltägliches Land.

Liebe Grüße
hp

Standard

6 Gedanken zu “Polentour 2014 🇵🇱 🇨🇿

  1. Hallo Hans Peter,
    was für ein schön geschriebener und aussagekräftiger Reisebericht mit tollen Bildern und richtig gut verständlich aufbereiteter Historie. Hut ab, das ist wirklich klasse.
    Freu mich jetzt schon wieder, mit Dir unseren beiden GSen zu bewegen.
    Weiterhin gute Fahrt und viele schöne Momente.
    LG aus Ulm
    Sabine

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